2012
09.08

Sören, seinerzeit „Sonne“ genannt, gründete mit Gleichgesinnten das damalige SCH!ICHT Magazin, welches mit 27 Ausgaben in den 90er Jahren ein durchaus ernstzunehmendes Mag in der elektronischen Szene neben dem Dinosaurier „Frontpage“ war. Rave Strikes Redakteur Toci traf Sören, 39 Jahre, der jetzt mit Familie, Kindern & 2 Katzen in Leipzig wohnt und lockte einige sehr interessante Antworten aus ihm heraus … Los gehts:

Sonne aka Tappo KontaktWas war die Initialzündung für dich, das SCH!CHT-Mag ins Leben zu rufen?
Ins Leben gerufen haben das Blatt eigentlich die beiden Sven’s (Grace und Hanne), die mich im Herbst 1992 fragten, ob ich mit meinen damals ausgeprägten grafischen Fähigkeiten mitmachen wollte. Dem ging voraus, dass wir, die wir uns schon aus der Schule flüchtig kannten, uns im März 1991 auf der ersten Technoparty des Spaceteams (die späteren Fabrik-Betreiber) im Dresdner Star-Club trafen. Die Party selbst und der anschließende Fußmarsch nach Hause waren sprichwörtlich Weg bereitend für das, was später kam. Es folgten zahlreiche gemeinsame Partygänge und –reisen, besonders nach Freiberg, wo eine Handvoll Leute von Anfang an im relativ kleinen Kreis super Parties auf die Beine stellte. Irgendwann in diesem Jahr machten wir mal in der Dresdener Innenstadt Werbung für Westbams „A Practising Maniac At Work“. Mit Kassettenrekorder auf der Schulter und Flyern, auf denen stand: „Die Musik, die Sie gerade hören, stammt von Westbam, einem der bekanntesten DJs des Landes…“

Haus AuenseeDas hatte die Fabrik-Crew an uns weiterdelegiert. Dann kam „Save DT 64“ im Haus Auensee in Leipzig, Ende 1991 fuhren wir zur Mayday nach Berlin, Anfang 1992 eröffnete die danceFabrik in der Hamburger Straße in Dresden und schließlich besuchten Hanne und ich im Sommer´92 die Love Parade. Die Atmosphäre dort hat uns schlichtweg umgehauen. Vor allem, als trotz des immer stärkeren Regens alle weiter tanzten. Auf dem Rückweg saßen wir – immer noch schwer beeindruckt und ordentlich durchnäßt – mit ein paar anderen im Zug zusammen und wir überlegten, was wir tun könnten, um dieses Gefühl „nach Hause“ zu transportieren. Neben einer eigenen Parade war wohl unter anderem auch ein eigenes Mag im Gespräch.

Nachdem sich diese Idee immer weiter verfestigt hatte und der Beschluß gefaßt war, ging es dann also im September 1992 los. Zunächst sollte es nur ein Clubzine für die Fabrik sein, woraus sich auch der Name ableitete. Wir erkannten aber bereits bei der Erstellung der ersten Ausgabe, dass SCH!CHT eine Informationsplattform sein mußte, die die Kommunikation der einzelnen Hochburgen in der Region – Leipzig, Freiberg, Chemnitz, Dresden, Löbau – untereinander ermöglichte. Und weil wir natürlich nicht immer überall sein konnten, wurden die Lücken durch Leser gefüllt, die Artikel über ihre eigene lokale Szene oder Party-Reviews schrieben und damit zu freien Mitarbeitern wurden. So hatten wir bereits in der zweiten Ausgabe einen Artikel aus und über Löbau und in der dritten schrieb Marcos Lopez über DT 64.

Aus welchen Leuten bestand der „harte Kern“ des Redaktionsteams?
Aus Grace und Hanne (den beiden Sven’s Haubold und Hantschack), Smiler (Thomas Löscher) und mir. Später stieg Thomas aus und Roland Ladwig, der mit seinem Bruder von Beginn an Platten für uns testete, kam dazu. Und weil sich das Büro ja in Hannes Wohnung, genauer gesagt, in seinem ehemaligen Kinderzimmer befand, gehörten auch seine Frau Danni und die beiden Katzen Maddy und Frau Schröder zum Team, wenn auch nicht zur Redaktion. Danni sorgte oft für unser leibliches Wohl und die Katzen für reichlich Chaos im Büro. Vor allem malträtierten sie die Kartons und Cover unserer Promo-Platten.

Schicht BüroWie hat sich das Magazin finanziert und wie viele Ausgaben gab es insgesamt?
Zunächst haben wir die SCH!CHT verkauft. Die erste Ausgabe kostete 1,50 DM, alle weiteren 1 DM. Mit dem Umstieg auf das Format A5 ab Ausgabe 11 kam auch die Finanzierung über Werbeanzeigen im Heft, wodurch wir das Blatt kostenlos verteilen konnten. Damit entfiel die Platzierung der Zeitschrift an umsatzstarken Orten, wo das durch die Herstellungstechnik sehr „undergroundige“ Layout zuweilen sehr befremdlich wirkte. Zudem waren die Verkaufszahlen nicht besonders hoch. Insgesamt gab es 26 Ausgaben, wobei durch einen Nummerierungsfehler – es fehlt die 4 – die letzte die Nummer 27 ist.

Es gab immer sehr interessante Interviews mit grossen Stars der Szene wie z.B. Eddie Flashin Fowlkes oder Jeff Mills, wie seit ihr z.T. an die Leute rangekommen bzw. gab es da ein kurioses Erlebnis zu erzählen?
Kuriose Erlebnisse gab es eigentlich immer, das machte ja gerade den Reiz dieser Arbeit aus! Meistens haben wir die Leute einfach um ein Interview gebeten, wenn sie in einem Club in der Nähe auflegten oder spielten. Das ging eigentlich recht einfach, zumal wir ja die Veranstalter meist gut kannten, die die Leute engagierten. Besonders lustig war zum Beispiel das Interview mit der R.A.N.D-Posse in der alten Distillery, deren Tür ja von außen nicht zu öffnen war und jeder, der hinein oder heraus kam, wurde angemotzt: „Türe offlass’n!“ – das zog sich wie ein roter Faden durch die Aufnahme des Diktiergerätes.

Cosmic BabyOder das mit Cosmic Baby im Anker in Leipzig, wo ein Redakteur eines der hiesigen Stadtmagazine sich ständig einmischte, vom Stellen doofer Fragen bis hin zu Zukunftsvisionen über Raves mit 400 wackelnden, monoton tanzenden Robotern. Warum ausgerechnet 400 und was er uns damit überhaupt sagen wollte – ich weiß es bis heute nicht.

Mit Walker haben wir uns anfangs über Musik unterhalten, später über Robot Wars und am Ende hat er ziemlich ausgiebig über seine Autos geschwärmt – von der Geländegängigkeit eines Unimog LKW bis hin zur unbändigen Beschleunigung eines RX-7 Turbo.

Es war uns auch wichtig, solche Nebenaspekte auch einfließen zu lassen in die Interviews und Porträts, weil sie doch in Zusammenhang mit dem standen, was die Künstler taten und wie sie waren.

Später haben wir uns dann auch zunehmend gezielt Leute ausgesucht und einfach angerufen oder ein Fax hin geschickt. Die Portraits über Sähkö und Cheap basierten auf Interviews per Telefax. Wobei ich im letzten Fall zuvor zusammen mit Dresdens größtem Cheap-Fan Jörg Göbel, genannt Göps, sowie mit Patrick Pulsinger und Erdem Tunakan vor’m Leipziger Elastic in deren VW-Samba-Bus saßen, was entscheidend zum Verständnis für Cheap Records beitrug. Übrigens schickten sie auf die Bitte, sich vorzustellen oder etwas zu sich zu schreiben, diese Zeichnung, die du unter dem Labelportrait findest.

Telefoninterviews waren auch immer klasse, denn du hattest zwar ein paar Fragen vorbereitet und ein Konzept, aber meistens erzählten die Gesprächspartner viel von sich aus und manchmal wurde was ganz anderes draus. Wie etwa bei Bernd Friedmann und Richard Bartz, die richtig philosophisch wurden. Beide bekamen dann auch 3 Seiten im Heft, um all diese interessanten Facetten auch abbilden zu können. Bei DJ Hell erwischte ich erstmal ständig den Anrufbeantworter, bis wir dann doch noch direkt miteinander sprechen konnten, und zwar fast zwei Stunden lang.

Es gab aber auch unangenehme Momente, wie das Interview mit Marc Spoon in der Freiberger Kabine, das aufgrund seiner Pöbeleien gegen die Besucher abrupt endete. Keine Ahnung, was den an dem Abend ritt – es lag wohl daran, dass sich die Kabine nach Mitternacht zusehends leerte, und er das nicht gewohnt war.

aquavivaIch erinnere mich an ein Interview mit John Acquaviva, als das Interview abgebrochen werden musste, weil gleich nebenan ein Depp mit einem Suzuki in den Mietwagen von John einschlug, was ist da genau passiert?
Ja, ich erinnere mich auch, das war im TIF in der Tharandter Straße in Dresden. Das Interview hat Grace gemacht, ob mit Hanne oder Roland, weiß ich nicht mehr. Ich hab an dem Abend Marc Gage interviewt. Jedenfalls war das eine kopfsteingepflasterte Ausfallstraße, und – keine Ahnung, ob die noch nass war oder so – irgendwie hat da jemand total die Kontrolle über sein Auto verloren und hat von allen Autos, die da sicher gestanden haben, ausgerechnet den Mietwagen der +8-Leute erwischt. Aber es hätte auch schlimmer kommen können und man kann froh sein, dass weder John noch einer von uns oder wer anders zu Schaden kam.

Was mir auffiel war, das sich SCH!CHT immer explizit mit Ambientmusik auseinandergesetzt hat, sei es in Reviews als auch in Künstlerportraits. Wie kam es dazu?
Ambient wurde ein großes Thema nach unserem Debüt als SCH!CHT Chill Out Team im Oktober 1994. Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits erkannt, dass Techno viel mehr ist als nur die Feiermusik zum Tanzen. Roland hatte schon immer jedwede elektronische Musik gesammelt und verfügte bereits über eine größere Plattensammlung. Grace geriet irgendwie an Reflective Records und war sofort hin und weg. Ich hatte gerade angefangen, Platten zu sammeln, und hatte ein paar sehr schöne ruhige B-Seiten. Dann kam diese Einladung, zur Eröffnung des „Sub“ den Chill Out zu schmeißen, was zu einer intensiveren Beschäftigung mit dem Thema Ambient führte. Wobei uns natürlich alles andere neben Ambient weiterhin auch sehr interessierte. Aber aus Techno als Alternative zum Dancefloor war längst ein Lebensgefühl geworden, eine Kultur, hinter der auch gewisse theoretische Ansätze standen.

1994/95 interessierte ich mich sehr für Dark Ambient und für die Theorien der Auflösung der Musik in Klänge und einzelne Töne. Du kannst dir sicher vorstellen, wie düster es zuweilen in unseren Chill-Out-Sessions wurde… Wir lasen „1000 Plateaus“ von Deleuze und Guattari, entdeckten AG Geige wieder und Ash International neu. Dies und das Interesse an Ambient allgemein aufgrund unserer Auflegerei führte logischerweise zu Neugier auf die Labels und Künstler dahinter. Also nahmen wir Kontakt auf per Telefon oder vorzugsweise – wegen der besseren Übersetzbarkeit – per Fax mit dem Ziel, etwas darüber zu schreiben. Neben dem schon erwähnten Interview mit Bernd Friedmann waren in der Hinsicht die Portraits über Sähkö und Mego Recordings sehr spannend. Gerade das Mego-Labelportrait, deren „Mondlandung“ und „UFO-Beobachtungen“ Grace und ich gern abwechselnd spielten, war sehr bezeichnend: Du erfährst kaum etwas im klassischen Sinn, aber dennoch eine Menge über die Geschichte zu dieser Musik.

So war die SCH!CHT auch immer Spiegel unserer musikalischen und auch anderer Einflüsse, wodurch du schon beim Vergleich der Titelseiten eine gewisse Entwicklung bei den Redakteuren feststellen kannst. Spätestens mit dem neuen – aber immer noch handgezeichneten – Logo war SCH!CHT nicht mehr dieselbe wie bei Ausgabe 10 oder 11.

Schicht MagMit welchen Hilfsmitteln habt ihr in den 90er Jahren das Heft gesetzt und die Grafik umgesetzt?
Hergestellt wurde jeweils eine Urfassung, indem wir die Texte mit einem Atari schrieben, mit Nadeldrucker ausdruckten, mit einer Fotoschere zurechtschnitten und auf die vorbereiteten Hintergründe klebten. Das Logo – mein grafischer Einstieg bei der SCH!CHT – habe ich für jede Ausgabe neu handgezeichnet, wie auch die Schicht-Schnitten, den Möh-Alien und andere Beigaben.

Die Auflage der SCH!CHT Nummer eins entstand ausschließlich am Schwarzweiß-Kopierer, und weil der Copyshop plötzlich mehr Geld haben wollte als vorher vereinbart, kam zu der Mark eben noch ein Fuffziger dazu. Später wurde der Prototyp auf Folie gedruckt und die Kopien hiervon angefertigt.

In der Anfangsphase der Gratis-A5-Sch!cht übernahm eine Grafikagentur für uns Layout und Satz. Zwar nach unseren Vorgaben, aber das fertige Heft entsprach nie hundertprozentig dem, was wir wollten. Das änderte sich erst durch die Anschaffung eines damals schweineteuren Grafikcomputers nebst Scanner, mit dem wir das Layout des Heftes endlich vollständig in eigener Hand hatten. Damit konnten wir unsere Fähigkeiten erst richtig zur Geltung bringen. Zu Beginn wurde alles an Material eingescannt, was sich nur irgendwie als Hintergrund eignete – vom Knüllpapier bis zu Cornflakes. Roland, der damals wie Grace Wirtschaftsinformatik studierte, beschäftigte sich schon früh mit 3D-Renderings, die ja durch die X-Mix- und 3Lux-Videos sowie durch WARP’s „Artifical Intelligence“ sehr populär wurden – das floß natürlich mit ein. Und Hanne als studierender Medieninformatiker konnte im Photoshop wunderbar aus Fotos der Interviewten und Portraitierten Hintergrundbilder zaubern.

Hinzu kam natürlich auch das Schreiben als grafische Komponente und die Auswahl der Fonts. Nachdem wir alles selbst machen konnten, haben wir mit all dem zunehmend experimentiert, was man auch sieht, wenn man die Hefte nebeneinander legt. Wobei ich persönlich die Ausgabe 23 in ihrer Gesamtheit am gelungensten finde.

Was war der Beweggrund letztendlich, das Heft nicht mehr zu veröffentlichen?
In erster Linie schlicht und ergreifend die schlechte Zahlungsmoral der Anzeigenkunden. Besonders bei den Schaltern von ganz- oder halbseitigen Anzeigen mußten wir ewig der Kohle hinterherrennen, hatten aber parallel dazu hohe Kosten zu tragen. Neben der Herstellung des Heftes selbst waren das vor allem Telefon-, Fax und später Internetkosten. Wir hatten irgendwann eine GbR gegründet, da man es ja oft mit größeren Unternehmen zu tun hatte. Aber es änderte sich kaum etwas. Die Ausgabe 27 erschien ja im Juni 1996. Im Frühjahr 1997 hätten wir noch eine Ausgabe herausbringen können, die uns aber bereits persönliche finanzielle Verluste eingebracht hätte. Sonne aka Tappo KontaktEs waren sogar schon einige Artikel fertig, u. a. ein Interview mit Kreidler, das ich am 25.03. im Star-Club, der Keimzelle unseres Redaktionsteams, machte. Erschwerend kam noch dazu, dass ich mit dem Studieren anfing, während Grace, Hanne und Roland fertig wurden, so dass gemeinsames Arbeiten zeitlich und örtlich kaum noch möglich war. Nach langem Hin und Her beschlossen wir dann, es bei den 26 Ausgaben zu belassen.

Bild: Microtape mit den letzten unveröffentlichten Interviews von Kreidler sowie Olaf Bender & Frank Bretschneider von Rastermusic (auch Noton, früher AG Geige)

Ist es heutzutage überhaupt noch möglich und notwendig, solch ein Mag zu veröffentlichen angesichts der Medienüberflutung via Internet und Musikmagazine?
Grundsätzlich hat das Papierheft durchaus seine Berechtigung neben den zahlreichen digitalen Quellen. Es gibt viele Momente, wo ich bedrucktes Papier dem Bildschirm vorziehe, selbst wenn es nur die Sonne ist, die mein Smartphonedisplay unlesbar macht. Auch E-Book-Reader sind sicher was ganz tolles, aber – gerade für unterwegs war unser A5-Format sehr praktikabel und das A6 der einschlägigen Party-Infohefte noch mehr – ein rein digitales Lesen wird es nie geben. Wer täglich 8 Stunden im Büro am Bildschirm sitzt, weiß, warum. Beim RC-Modellbau ist es genau so: Den meisten Input holst Du Dir aus einschlägigen Foren, aber zwischendurch muß man einfach mal eine Cars & Details oder amt kaufen.

Eine denkbare Fortsetzung der „Ge-SCH!CHT-e“ wäre bestenfalls im Internet möglich. Den Architekten unter den Lesern ist vielleicht die „BaunetzWOCHE“ ein Begriff – so in der Art könnte ich mir das vorstellen. Das ist ein wöchentlich erscheinendes PDF zum Herunterladen, nicht mehr Seiten, als die ersten SCH!CHT-Ausgaben hatten, aber immer ein neues Thema, immer interessant.

Die Informatikstudenten unter uns, vor allem Grace, erkannten ja damals schnell die Möglichkeiten, die das Internet bietet, wodurch recht zeitig der Entschluß gefaßt war, dem Heft ein Gegenstück im World Wide Web zur Seite zu stellen. Da wir ja ohnehin inzwischen den gesamten Inhalt digital erstellten, war das zumindest inhaltlich kein zusätzlicher Aufwand. Gegenüber der Papierzeitschrift hat das den Vorteil, dass Druck und Versand entfallen und nicht alles zum Stichtag, sondern kontinuierlich fertig gestellt wird. Wenn wir die Website weiter betrieben hätten, wäre sicher was draus geworden. Aber wie schon gesagt – bei uns begannen neue Lebensabschnitte und es fehlte die Zeit, die wir auch für ein reines Web-Zine gebraucht hätten.

Jetzt wieder neu damit zu starten, wäre sicher schwierig. Nee nee, da sorgen wir lieber dafür, dass bei Euch was über uns steht :-)

Schicht MagWas für Musikmagazine liest du heute persönlich noch und bist du selber noch in der „Szene“ aktiv?
Ich habe lange Zeit de:bug gelesen, was ja so etwas wie die Nachfolgerin der von uns so geliebten House Attack war. Als dann immer weniger Zeit zum Lesen war, habe ich regelmäßig die „Slices“-DVD’s angeschaut. Inzwischen ist mein Input in der Beziehung fast auf Null geschrumpft, auch weil andere Dinge einfach wichtiger wurden.

Mit der Zeit habe ich auch alle Szeneaktivitäten aufgegeben. Nach dem Ende der Zeitschrift wurde die Sch!cht Internetseite noch aufrecht erhalten, ohne dass mehr Inhalt hinzugefügt wurde. Einen großen Teil des „archivwürdigen Gutes“ bewahre ich auf.

Irgendwann rief mich Andreas Lange an – damals als Langi im Umfeld von Plastic Phreak bekannt, jetzt Mitbetreiber von banq.de – und sagte, er würde gern alle Ausgaben der SCH!CHT digital archivieren und der alten Internetseite bei banq.de ein neues Zuhause geben. Er hat sich da echt viel Mühe gemacht und ich bin ihm sehr dankbar, dass er dieses Stück Historie auf die Art konserviert hat.

Was noch lange – in meinem Fall bis Ende 2006 – weiter lief, war das Auflegen, welches sich vom Chill Out in Bars und andere Umgebungen verlagerte. Vor allem Liquid Sound in Bad Sulza hat da viel Spaß gemacht. 2006/2007 lebte die SCH!CHT nochmal kurz auf in Form der Radiosendung „sch!cht.fm“, die ich auf dem freien ColoRadio Dresden betrieb. Zweimal im Monat gab es eine halbstündige Sendung zu einem bestimmten Thema, wie z.B. ein musikalische Portrait über Mego mit Auszügen aus dem Artikel von damals, eine Sendung über Ash International oder zwei andere über Geir Jenssen – eine allein schon zu seiner Cho-Oyu-Expedition. Das hätte ich gern weiter gemacht, aber das Ende meiner Arbeit in Dresden bedeutete auch das Ende für die Sendung. Danach habe ich mich bei residentadvisor.net angemeldet, eine DJ-Page eingerichtet und mal die Geschichte des SCH!CHT Chill Out Teams aufgeschrieben.

Schicht MagAnfang diesen Jahres fielen mir die alten SCH!CHT-Hefte wieder in die Hände und ich begann, das ganze Thema ein bißchen aufzuarbeiten, was ja letztlich zu dem Kontakt zwischen uns führte. Ich schreibe da immer mal wieder an einer Art Chronologie – mal sehen was daraus wird.

Inzwischen ist familiär bedingt neben der Arbeit kaum Zeit für musikalische Aktivitäten. Platten habe ich schon ewig nicht mehr gekauft und Konzerte oder Parties besuche ich nur noch gelegentlich. Ab Mitte der 90er war ich auch öfter in Gothic- und Electro-Gefilden unterwegs. Spätestens seit Kolja Trelle – ehemals Namozz – als Soman der schwarze Gemeinde ordentlich einheizt, ist das meine bevorzugte Musik. Gelegentlich besuche ich das Wave-Gotik-Treffen, dann aber meist nur sonntags, wenn im Werk II die Industrial- und Noise-Bands spielen, wie Sonar, S.K.E.T., Architect, Nullvektor, Esplendór Geometrico oder wie dieses Jahr Empusae und Wieloryb. Da kommt für mich sehr viel dieses ursprünglichen Gefühls wieder, denn die musikalischen Strukturen sind sehr ähnlich und es kickt ordentlich. 2000 und 2005 war ich auch beim Sonar-Festival, quasi immer anstehende Pflichtbesuche. 2007 habe ich mal an einem DJ-Contest im Leipziger Darkflower teilgenommen, aber eher außer Konkurrenz und mit Plattenspielern, und die Leute sind zu Christopher Just, Justin Berkovi, Voiteck und der BUG-O-FOUR – also zu eigentlicher Rave-Musik – super abgegangen.

Rave strikes back – auch da, wo man es eher nicht erwartet!

Wir sagen DANKE an Sören vom SCH!CHT Mag und wenn ihr Feedback geben möchtet oder Beiträge zu dem Interview habt, würden wir uns natürlich sehr freuen. Gruss, toci

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Als kleines Schmankerl hat uns das SCH!CHT Team auch noch die letzte erhältliche Ausgabe 27 als PDF Download zur Verfügung gestellt. Enjoy the wild style of the old time*

4 Kommentare bisher

Kommentar hinzufügen
  1. Schönes Interview. War 94 (93?) auf ner großen Party wo Motte gedreht hat. Wer weiß noch etwas darüber? Grüsse Fochi

  2. Schöne Sache, prima Interview! ach und „Türe offlass’n!“ wird natürlich weiterzittiert… LG

  3. Hey, schönes Portrait!

  4. Schön mal wieder was von Dir zu hören Sören…. .
    Auch legendär – monobar- in Leipzig.

    Viele Grüße von Sebastian aka DJ PAX / viertausendvier