2010
11.01

Dapayk – Paris – Berlin
Datum: 05./06.08.2006

/// KAPITEL 1

Dapayk RavestoryWenn das Flugzeug in Paris landet, ist man angekommen. Die Räder berühren den Boden, man hat keine Chance mehr zu fliehen! Man ist da! Frankreich! Das Land der irgendwie immer arrogant wirkenden Einwohner, die keine Sprache sprechen außer französisch, und jedem Deutschen latent das Gefühl geben, man wäre selbst noch in Polen eingefallen.

Mit meinem Gepäck in der Hand stehe ich am Ausgang des Flughafens und versuche herauszufinden, welcher der nett aussehenden, wartenden Menschen mich abholt. Leider keiner! Zum Glück hab ich die Handynummer der Veranstalterin parat. Es geht nur die Mailbox ran. Bedauerlicherweise auch beim dritten Mal. Nach ca. 25 Minuten des unsicheren Wartens und Hoffens nicht umsonst nach Paris gekommen zu sein, gibt mein Handy einen Ton von sich und zeigt stolz eine SMS an: „Bin gleich da! Bin blond und trage einen Helm!“. Wie ich die Haare unter dem Helm sehen soll ist mir noch nicht ganz klar. Weitere 25 Minuten später taucht die lang erwartete Promoterin der Party auf. Sie ist tatsächlich blond, um die 40 und hat einen Motorradhelm in der Hand. Ihr Englisch ist geschliffen, ihre Augen müde und leer, ihr Blick geht immer an Einem vorbei, aber sie stellt die richtige Frage: „Hast du Hunger?“. Nach durchgemachten Nacht und einer Anreise per Bahn vom Flughafen Frankfurt nach Köln, um von dort nach Paris zu fliegen, nur damit wieder irgendwer 8€ Flugkosten gegenüber dem Direktflug Frankfurt/Paris spart, eigentlich das Einzige was ich an diesem Tag noch machen wollte. Ich also:“Japp!“ Dann kann es ja losgehen! Wir hatten Zeit. Es war Samstagabend und ich sollte erst Sonntag in ihrem Club spielen. Also Paris! Zeig mal was du hast!

Beim Anblick des Helms in ihrer Hand hätte ich misstrauisch werden sollen! Nachdem wir die Shuttlebahn vom Flughafen überwunden hatten, zeigt sie mir voller Stolz ihr prachtvolles Gefährt französischer End70er-Ingenieurskunst. Ihren Motorroller! Keine Ahnung wie wir die ca. 40 Kilo Gepäck da draufbekommen! Irgendwie geht es schon. Ich hab den Rucksack auf, eine Tasche um, wiege somit so ca. 100 Kilo, bei ca. 70 Eigengewicht. Sie klemmt meinen Equipmentkoffer unter lauten Kratzgeräuschen in die Karosserie des Rollers irgendwo zwischen ihren Beinen. Ich hab immer noch Hunger! Nach beschaulichen 20Minuten Rollerfahrt und dem Beweis, dass Franzosen echt bekloppte Verkehrsteilnehmer sind, Ampeln und Einbahnstrassen ein Kann-Ding, Vorfahrt eher Gefühlssache sowie Fußrasten am Roller erst wichtig werden wenn der Sozius wohl mehr als 2 Taschen an sich hat, kommen wir endlich am Ziel unseres kleinen Trips an. Einer Geburtstagsparty in einem alten umgebauten Kloster irgendwo mitten in Paris. Endlich Essen! Gleich! Die Räumlichkeiten sind proppevoll mit schicken Designstudenten, Musikern und allem was Paris wohl noch an überdresstem Volk zu bieten hat wenn es dunkel wird. Die Jungs tragen vorzugsweise Anzug, die Mädels stellenweise nur ein knitteriges Herrenhemd ohne sichtbare Hosen oder Boxershorts mit Hosenträgern und Ringelshirt. Alles eher wie in einem zerfetzten Dalibild. Ich trage mein Gepäck und die Sachen aus dem Club vom Abend davor. Zeit zum umziehen war leider nicht. Wohlfühlfaktor…na ja…

Dapayk Ravestory 2„Du kannst dein Gepäck hier abstellen!“, sagt die Promoterin und zeigt auf einen Klamottenberg inmitten der Partymenge. „Ist das Save?“ ist meine Frage. „Sicher! Nimm aber vorsichtshalber dein Portmonaie aus der Tasche!“. Gesagt getan. In diesem Moment muss ich wohl kurz nicht aufgepasst haben, denn beim Rumdrehen ist sie verschwunden. Weg! Ich suche eine Weile wie ein Depp mit dem Portmonaie in meiner Hand und finde sie nach 10Minuten mit den Händen in der Luft tanzend auf dem Floor wieder. Diskohouse prügelt, durchschnitten vom „u-upp-u-upp“ einiger Gäste, zu laut durch den Raum. Ich stell mich in gebührenden Abstand an die Wand und versuch sie nicht mehr aus den Augen zu verlieren. Wer schon einmal allein auf einer Party war auf der keiner deine Sprache spricht und du niemanden kennst, weiß wie merkwürdig das ist. Die Veranstalterin tanzt! Eine ganze Weile länger als ich erwartet hatte! Als sie mal in meine Richtung schaut, winke ich sie ran und frage ob ich hier was zu Essen bekommen könnte? „Du weißt schon ESSEN!“! Sie wirkt etwas genervt, verschwindet und bringt mir ein rumhaltiges Getränk und taucht ab in der Partymenge. „Ja, danke?!“ Diesmal reicht es aber! Ich folge ihr, finde sie im Gespräch mit 3 Typen, drängle mich dezent dazwischen und frage erneut nach einer Möglichkeit etwas zu Essen zu bekommen, da ich leider auf der Party nichts finden konnte und das Rumdings eher Brechreiz hervorrief als Sättigung.

Wieder etwas genervt, zog sie mich weg und in Richtung Ausgang. WIR GEHEN ESSEN! Gleich gegenüber des von Schnurrbartträgern, hermetisch abgeriegelten Partyklosters, befand sich ein nettes Restaurant. Endlich essen wir und sie erzählt am fließenden Band von ihrer internationalen DJ-Karriere, ihrer ersten Single als Sängerin, der Szene in Russland und Spanien, sowie von grauenvollen Partyveranstaltern, denen die Acts doch so völlig egal sind und wie sie denen immer den Marsch bläst. Dabei blickt sie immer abwechselnd links und rechts an mir vorbei. Ich lausche und nicke! Dann kommt der Satz des Abends: „I can kill for two things: Champaign and a nice line of coke!“. Aah! Endlich! Hier ist der Beweis: Drogen und Party gehören einfach zusammen! Sonst versteht man die Musik ja auch nicht! Ich nicke einfach weiter! Antworten hatte schon 5Minuten früher nichts gebracht! Sie erzählt von ihrer Seelenverwandtschaft zu meiner Bookerin und wie sie damals eine Nacht so durchgekokst haben, dass meine Bookerin nicht mehr stehen konnte! Ach, da machen sie mich stolz! In meinem Kopf sehe ich sie wie Susi&Strolch verschämt an den Enden einer daumendicken Line ziehen, bevor sich ihre Nasen, begleitet von einem verschämten Blick, in der Mitte treffen. Geil! Das ist genau meine Welt! Wer weiß, dass ich mit Drogen nicht viel am Hut habe, weiß auch, dass derartige Sätze ein gewisses Unbehagen in mir hervorrufen. Ich beschloss sie von nun an nur noch DIE NASE zu nennen. Natürlich nicht laut…

/// KAPITEL 2

Ich hab brav aufgegessen! Die Nase nicht! „So, da gehen wir wieder rüber!“, sagt sie und unser Weg führt uns zurück auf die Party. Noch im Türrahmen reißt sie die Hände in die Luft und begibt sich schwofend in Richtung Tanzfläche. Es ist so schön wenn die Drogen dann endlich knallen und die Musik Sinn macht! Zumindest war meiner Begleiterin ein Aha-Effekt in dieser Art anzusehen. Ich steh wieder wie Sielmann am Rand und beobachte das Treiben, immer mit der Hoffnung sie nicht aus den Augen zu verlieren, denn aus irgendeinem Grund und aus Mangel an Taschen, gab ich ihr mein Portemonnaie. Meine Taschen sind noch da, liegen aber woanders. Ich geh mal davon aus, dass noch alles drin ist.

Dapayk Ravestory 3Nach weiteren 2 Stunden des Rumstehens geht das Putzlicht an und die Schickimenge trottet – angetrieben von der Pariser Polizei – nach Hause. Die Promoterin meines Herzens setzt sich auch in Bewegung, leider mit zwei weiteren Trunkenbolden und ohne einen Blick oder eine Aufforderung an mich zu verschwenden. Sie geht an ihrem Motorroller vorbei und ruft mir etwas auf französisch zu. Ich glaub, sie hat vergessen, dass ich kein französisch spreche oder ich war wieder mal Schuld an dieser Sache mit Polen. Ich bleibe dran, folge ihr und ihren Freunden mit meinem Rollkoffer und dem gesamten Gepäck durch die Nacht in eine Bar. Dort gibt es den miesesten Mojito aller Zeiten und sie unterhält sich eine weitere Stunde mit ihren beiden Begleitern auf französisch. Eine schöne Sprache, die noch mehr an Reiz gewinnt, je besoffener der Erzähler ist. Einer ihrer beiden Freunde erbarmt sich und versucht sich im englischen. Leider geht das nur sehr schleppend, aber die Geste ist nett. Ich könnte schwören, dass, als die Nase dies sah und merkte dass ihr ein Teil Aufmerksamkeit entzogen wurde, sie beschloss dem Abend ein Ende zu setzen. Jedenfalls sagte sie, nachdem ich 5 Minuten mit ihrem Freund gesprochen hatte: „Ich geh jetzt heim!“. Sie wirft einen Blick in meine Richtung, der aber leider hinter mir an die Wand klatscht. Wie man sehen konnte, ging Stehen leider nicht mehr so. Da hilft nur der Gang auf die Toilette. Französische Toiletten haben etwas Eigenes. Selbst das edelste Restaurant verfügt manchmal nur über ein zugestrullertes Loch im Fußboden. Und um alle Verantwortung abzugeben, nennen die Franzosen das dann „türkische Toilette“. Für einen Frauentoilettengang ist sie schnell wieder zurück und auf einen Schlag erstaunlich klar. Ich hab mir schon immer gewünscht, das mein Schicksal an den Bremsen eines Motorrollers und an einer besoffenen Kokserin hängen. Denn da ihre Pulverfreundin, meine damalige Bookerin, sich ja so glänzend verstanden haben und ich die Zusammenarbeit zumindest mit meiner Bookerin gerade gekündigt hatte, verstand es sich ja von selbst, dass ich nicht mehr gefragt wurde, ob es okay für mich wäre bei der Veranstalterin privat, also zu Hause, zu schlafen. Es war zu spät für eine Beschwerde deswegen gewesen, da ich ja wie immer erst am Freitag von den Konditionen der Partys am Wochenende erfuhr. Es hätte sicher auch nix gebracht. Also führte der Weg mittels Motorroller und 40Kilo Gepäck in die Vorstadt von Paris nach Montrieul.

Die Fahrt gerade hinter mir, spürte ich den herannahenden Muskelkater. Ich saß wohl einigermaßen verkrampft auf dem Roller. Sicher auch wegen der fehlenden Fußraster… Die glatte Verkleidung des Rollers bot etwa soviel halt wie ölige Hände an einer Lotusblüte. In meinem Inneren sah ich den ersten Raster beim Chauffieren von Sven Väth abbrechen, als die irre Pariserin gegen einen Bordstein fuhr und Sven das Bein brach. Die zweite Fußraste ging wohl verloren, als damals Mark Spoon am Flughafen aufstieg und er auf der Flucht vor der Polizei, in einer fiesen Kurve das Gewicht ungünstig verlagerte. Sein Stiefel schlug auf das harte Pflaster und Funken sprühten als Beide, den Gendarmen entkommend, in eine Fußgängerzone einbogen. Aber zurück zum Thema:

Dapayk Ravestory 4Die Wohnung der Nase war ein Loft über zwei Etagen. Soweit so cool! Aber der Begriff Loft bringt auch einen gewissen Mangel an abgegrenzten Räumen mit sich. Somit war mein zugewiesener Schlafbereich von ihrem nur durch einen Vorhang getrennt. Flüchtlingslagerstyle! Es gab nur zwei Türen, eine raus ins Treppenhaus, eine zum Klo. Immerhin! Die gesamte Wohnung erschien bedeckt durch eine Patina aus Staub über den hempelmässig arrangierten, raumfüllenden Elementen aus Krams, Zeug und Mist. Sie warf ihren Schlüssel nach betreten des Raumes auf den Tisch, worauf dieser gleich zwischen Brotresten, altem Obst und ihrer CD-Sammlung verschwand. Sie ging direkt und ausnahmsweise wortlos in ihre Hälfte der Zeltstadt.

Ich war müde, mir war es egal. Ich hörte wenn sie sich auf ihrem Futon drehte und der Nachbar in der Wohnung über uns kacken ging. Egal! Mir war auch gleich, dass das Badezimmer eigentlich nur die linke Hälfte einer Zimmerecke war, die mit einem Vorhang abgetrennt wurde, der zwar nicht ganz zum Boden reichte, aber doch alles knieaufwärts ausreichend abdeckte, es sei denn man saß in der Dusche. Geheiligte Privatsphäre! Alles was das Pech hatte irgendwann einmal in Kontakt mit Wasser gekommen zu sein, war grau vom Kalk, alles was irgendwann einmal mit bloßen Händen berührt werden konnte, klebte. Das Klo war innen wie außen gut gebräunt. Öffnete man den Duschvorhang verdunkelte sich der Raum und die Augen brannten aufgrund des Schimmels in den unergründbaren Tiefen der Plastikfalten. Alles egal! Ich will nur pennen! Ich will solange schlafen wie ich kann, um so wenig Zeit wie möglich mit dieser Frau verbringen zu müssen. Leider bricht sie alle meine Schlafrekorde, während ich mit panischem Blick 2 Stunden in meinem Separet wach liege und hoffe, dass ich ihr keinen Spiegel an Mund halten muss.

/// KAPITEL 3

Es ist Sonntagnachmittag. Der Vorhang zur Küche öffnet sich und sie begrüßt mich mit der Essensfrage: „Magst du Frühstück?“, „Gern!“. In meinem Kopf spinnen sich Fantasien des idealen French Breakfast zusammen. Es gibt Croissants, Baguette, verschiedene Marmeladen und frisch gebrühten Kaffee. Im Haus hat sie leider nur 5 Scheiben Brot für zwei Personen, die sie mit einem Messer nacheinander, halbverbrannt aus dem Toaster popelt, Honig und Kaffee ohne Milch. Irgendwer hat das Unterhaltungsprogramm zum Frühstück wieder angestellt?! Sie erzählt wie am Fliessband weiter: „…schönes Obst, Sonntag, sie war mal verheiratet, lief nicht so, es ist wichtig was man aus seinem Leben macht… sie sucht noch nach einem Label für ihre erste Single und nach einem Producer, sie ist ja jetzt gerade 34 (Oh, Shit! Da lag ich daneben!), sie wurde ja mit Acidtechno gross und liebt das heute noch als Dj…Übergänge sind wichtig, ohne Flow ist man nichts!“. Wie ein Lichtstreif am Horizont höre ich aus ihrem anhaltendem Geräuschpegel einen Satz: „Ich geh gleich auf den Markt!“. Ja, bitte geh! Verschwinde für eine Sekunde! Ich ziehe alle meine Tätigkeiten so in die Länge, dass ich sie nicht mehr sehen muss, als ich die Klotür öffne steht sie apathisch mit nassen Haaren, mitten im Raum und sagt: „Ich bin dann gleich wieder da!“, und verlässt das Haus.

Nach 2Stunden mache ich mir langsam Sorgen. Hat sie mich ausgesetzt und nur verwechselt mich wegzuschicken und selbst in der Wohnung zu bleiben? Aber für Ablenkung hatte sie gesorgt. Nach 1 1/2h merke ich, dass sie den Gasherd angelassen hat. Warum? Wer weiß das schon?! Das Kaffeewasser hat sie jedenfalls im Wasserkocher warm gemacht.

Als sie vom Markt wiederkommt, sagt sie nichts als sie den Raum betritt und geht direkt hinter ihren Vorhang. Sie redet tatsächlich für 1Stunde überhaupt nicht! Vielleicht ist sie einfach leer? Keine komischen Storys, sinnloses Gepose und merkwürdige Selbstreflektionen mehr? Plötzlich steht sie wieder mitten im Raum, kerzengerade und schaut mich das erste Mal an! Sagt aber immer noch nichts! Nach 10 gruseligen Sekunden des Starrens überwinde ich mich zu einer Frage: „Geht’s los zur Party?“. „Ja, sicher!“ sagt sie, in einem Ton als hätte sie mich schon dreimal ermahnt endlich fertig zu werden. Ich bin mir sicher ich konnte die Stimmen in ihrem Kopf in diesem Moment auch für eine Sekunde hören! Schnell sind wieder alle Koffer und Taschen am Mann und am Motorroller verstaut und es geht zum Gig.

An dieser Stelle käme die Beschreibung der Party und des grauenhaften Dj-Sets der Veranstalterin, die es sich nicht nehmen ließ 3 Stunden Acid dar zu bieten. Die Übergänge, von denen sie im Vorfeld solange gesprochen hatte, sahen übrigens so aus: laufende Platte langsam leiser machen, neue Platte einfach doppelt so laut starten und hoffen dass der neue Beat den alten akustisch wegdrückt. Das grenzte an Belästigung, hatte aber definitiv was Eigenes! Jedenfalls könnte die Partybeschreibung ebenso ausarten wie der bisherige Text. Daher lass ich das einfach mal weg! Wichtig wäre nur zu wissen, es war eher so eine Art Afterhour, startend um 16.00Uhr, endend um 0.00uhr.

Dapayk RavestoryIrgendwann gegen 1 kommen wir endlich heim. Es ist Montagmorgen und um meinen Flieger zu bekommen, muss ich 4.30uhr das Haus verlassen. Auf dem Heimweg frage ich sie, ob sie mir ein Taxi im Voraus bestellen könnte. Sie meint das wäre nicht nötig, da in ihrer Strasse ein Taxistand wäre. Sie zeigt ihn mir sogar. Es ist wirklich nicht weit weg von ihrer Wohnung. Da ich in Ländern in denen ich die Sprache nicht spreche, gern auf Nummer sicher gehe, bitte ich sie mir noch eine Taxirufnummer raus zu suchen, falls es irgendwie am Taxistand nicht klappen sollte. Sie ist das erste Mal außerhalb ihrer Fantasie ehrgeizig und findet sogar drei. „Verstehen die mich wenn ich englisch rede?“. „Sicher!“, sagt sie. „Ich lass auch mein Handy an, dann kannst du mich anrufen, wenn dort kein Taxi ist und ich ruf dir eins!“. Also alles klar!

Ich schaff es irgendwie kurz nach vier aufzustehen. Die Augen verklebt, die Glieder schwer, verlasse ich zügig das Haus, laufe die Strasse ca. 10Minuten mit meinem Gepäck herunter und komme am Taxistand an. Es steht voll mit Taxis! Die Fahrer streiken wohl aber oder schlafen einfach noch. Jedenfalls ist früh um 4.30uhr kein Einziger zu sehen. Die Taxis sind nur abgestellt, geparkt! Ich blicke mich um in einem Land, indem ich nicht mal jemanden nach dem Weg fragen kann und beobachte die Typen die Montag kurz vor 5 schon, oder immer noch, ein Bier trinken. Ein Anderer torkelt mit einer Platzwunde am Kopf über die Strasse, eine ältere Frau mit einem Einkaufsbeutel sucht etwas in einer Blumenrabatte. Ich denke an die Gage von 2 Veranstaltungen, Technik und Gepäck die ich bei mir habe und an all die schlechten Filme, in denen der Ausländer zuerst dran ist.

Meine Rettung sind die Taxirufnummern! Ich wähle die Erste – nichts! Kein Ton! Die Zweite: eine Bandansage…leider auf Französisch! Die Dritte: eine Computerstimme…leider auch auf Französisch. Fehlanzeige! Leichte Nervosität steigt in mir auf. Es tut mir leid, ich muss die Nase wecken. Ich wähle ihre Nummer und sofort, ohne jeglichen Rufton, geht ihre Mailbox ran. Oh, grossartig! Wer hätte das gedacht? Das Handy ist also aus! Kopfrechnen ist angesagt: Man fährt ca. 45Minuten zum Flughafen, ich muss nun wieder die 10Minuten zurück zum Apartment laufen und Checkin-Ende ist um 6. Es wird wohl knapper heute!

/// KAPITEL 4

Während ich mein Gepäck die menschenleere Strasse herunterziehe, meinen Weg korrigieren muss, da ich irgendwo falsch abgebogen bin, versuche ich die Promoterin per Handy zu erreichen. Mir rinnt der Schweiß. Meine Stimme auf ihrer Mailbox klingt sicher nicht freundlich. Beim dritten Versuch mit Sicherheit nicht mehr! Als ich ihr Haus erreiche, stelle ich fest, dass sie keine Klingel hat. Die Haustür ist zu. Immer hektischer laufe ich auf der Strasse auf und ab und finde die Tür zur Garage unverschlossen, trete ein, renne die Treppe hoch, ihre Wohnungstür ist Gott sei dank offen, in ihre Wohnung. Ich versuche nicht einmal leise zu sein! Es ist kurz nach 5. Ihre erste Frage ist: „Warum hast du mich nicht angerufen?“. „Dein Handy ist aus!“, ist meine kurze Antwort zwischen meinen geschlossenen Zähnen hindurch. „Ah, okay!“, ist ihre völlig Gleichgültige.

Sie startet ihren Computer und sucht erstmal nach Taxirufnummern. Nach weiteren 15Minuten erwischt sie eine Funktionierende. „Es ist in zwei Minuten unten! Geh schon mal runter!“, sagt sie. Ich verschwinde sofort. Sie geht wieder zurück auf’s Futon.

Dapayk Ravestory 6Das Taxi braucht genau 2 französische Minuten. In Deutschland spräche man von 20. Es ist kurz vor Viertel vor 6, um 6 ist Checkin-Ende, als das Taxi in meine Strasse einbiegt. Leider in der falschen Richtung, von mir weg! Der Fahrer ist jedoch ein gewieftes Wiesel und bemerkt seinen Fehler, will aber in der langen Einbahnstrasse nicht drehen und fährt die ca. 400m rückwärts die Strasse runter, wobei er bei jeder Hausnummer kurz überprüfend stehen bleibt. In Anbetracht des Zeitdrucks waren dies zwei sehr lange Minuten.

Das Taxi schafft Erleichterung. Mir ist egal ob ich den Flieger schon verpasst habe. Ich will nur weg. Nach Hause. Der Taxifahrer versteht mich zwar nicht und ich ihn nicht, aber durch Gesten und wiederholen meines Airlinenamens, habe ich das Gefühl er ist zuversichtlich. Nach rasanten 30Minuten Fahrt erreichen wir 6.15Uhr den Flughafen. Ich bin nicht mal mehr in Eile, da ich mir sicher bin den Flug bereits verpasst zu haben. Aber auch am Flughafen sind französische Minuten anders als deutsche. Durch irgendeine Verspätung bekomm ich den Flieger noch und lande eine Stunde später endlich daheim. Was für ein Wochenende! Und von dem Freitag habe ich noch nichts erzählt…

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