2019
13.09


All diese Momente werden nicht verloren sein…

Wer die mittlerweile dann doch recht lange Geschichte der elektronischen Musik miterlebt hat, hat zahllose DJ-Sets gehört, etliche Nächte durchgetanzt, hunderte Diskurse geführt und viele crazy Storys aus erster oder zweiter Hand erfahren. Musikalische Strömungen und ihre Protagonisten kamen und gingen, Genres und Untergenres entstanden, Stile und Moden entwickelten sich rasant, teils parallel – kurzum die letzten dreißig Jahre hatten für den Connaisseur viel zu bieten.

Wenn dann ein DJ nach all diesen Jahren noch immer für hohe Qualität, Originalität, Coolness und Fortschritt steht, ist das an sich schon etwas sehr besonderes. Wenn aber an einem Abend gleich zwei Protagonisten – auf die dies zutrifft – in einem Club spielen, darf man wohl getrost von einer legendären Nacht sprechen.

DJ Hell und DJ Jonzon stehen für Techno und auch für ihre 1995 auf Disko B erschienene Hell+Jonzon ‎EP. Helmut Geier alias Hell stammt aus München, jobbte seinerzeit im Berliner Hardwax hinterm Tresen, bevor er sein Label International Deejay Gigolo Records aus der Taufe hob. Der Berliner Jonzon veranstaltete 1988 gemeinsam mit Dr. Motte die ersten Acid-House-Partys und war Resident im ersten Berliner Techno Club UFO, Tresor und E-Werk. Beide sind DJs, die über Jahrzehnte das Genre geprägt haben, auch mit eigenen Produktionen, vor allem aber durch ihre stilprägenden DJ-Sets. Zwei Gentlemen, die weniger durch Theorie als durch Praxis so viele von uns mitgerissen und inspiriert haben. Beide besitzen die Gabe, einen Club mit einer irisierenden Energie zu füllen, ohne dabei mit Firlefanz und billigen Taschenspieler-Tricks zu blenden – hier erleben wir die verbindende Kraft, die Techno erzeugt, wenn er mit Wissen, Funkyness und Courage präsentiert wird.

Wer wie ich das große Glück in der Vergangenheit hatte, des Öfteren mit einem der beiden die DJ Booth zu teilen, hat immer etwas mit nach Hause genommen. Lehrstunden in Integrität, Attitude und Wagemut, und als Gast fühlt man sich herausgefordert und gleichzeitig safe. Merkwürdig genug, dass beide sehr lange nicht mehr gemeinsam gespielt haben, umso spannender, dass es an diesen Abend im Kassablanca wieder stattfindet. Und wie es der Zufall will, Hell war genau vor 20 Jahren zu Gast im ehemaligen Lokschuppen.

Dazu gesellt sich Maik von der Solid Rotation Crew, welcher Resident im mjut (Leipzig) ist und dort seine eigene Veranstaltungsreihe Futuro Grande betreibt. Italo & Acidhouse steht auf seiner Flagge, getreu der Devise: Rave Strikes Back! … und ich habe mir den Termin schonmal eingetragen,
Euer DJ Clé.

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RAVE STRIKES BACK
02.10.2019, Kassablanca Jena

DJ Hell (International Deejay Gigolo Records, München)
DJ Jonzon (Disko B/Planet, Berlin)
DJ Maik (Solid Rotation, mjut, Leipzig)

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