2010
11.01

Steffen Bennemann interviewte Spatz & Toci
für einen Artikel im Tookio Magazin, September 2005.


In Jena, das dürfte bekannt sein, da sitzen so ein paar lustige Kerls, die einfach das lieben woran sie Spaß haben und daher aller Nase lang nette Aufkleberchen in die große weite Welt entsenden und noch viel öfter tolle Musik. Diese Menschen hören auf so unspektakuläre Namen wie Gabor Schablitzki, Wendelin Weißbach oder eben einfach auch „Spatz“ und „Toci“.

Die beiden letztgenannten gehören in ihrer Funktion fest zum humoristischen Kulturzirkus Thüringens als „weiser Herr, die Fäden in der Hand haltend“ (Spatz – Hintergrundvaterfigur von Freude am Tanzen & Kassablanca) und „Mann, Auge am richtigen Fleck“ (Toci – Grafiktyp und Webseitenersteller, u.a. von www.freude-am-tanzen.com). Weil man ja schon eine ganze Weile dabei ist, und das früher ja auch irgendwie noch ein ganz anderer Spirit war und heute diese Unbekümmertheit, diese Euphorie, hach, einfach dieses unbeschreibliche Gefühl von Gemeinsamkeit schon manchmal vermisst wird – also wieso eigentlich nicht mal ne Website machen, wo alle so von früher erzählen können und vielleicht besinnen sich einige der Damen und Herren von damals doch noch einmal auf ihre alten Tage und wir lassen’s alle zusammen wieder mal so richtig krachen, wie sich das gehört? Oder kurzum: Rave Strikes Back! Höchste Zeit für ein paar Antworten jedenfalls:

Ich weiß, es steht zwar auch auf der Seite, aber könnt ihr noch einmal kurz umreißen, worum es bei Rave Strikes Back geht?

RAVE-STRIKES-BACK ist eine Initiative von Freude-am-Tanzen, welche den Kontext von RAVE und der dazugehörenden Musikkultur in dieser doch so musikgeballten Zeit wieder ins Rampenlicht rücken möchte. Dabei soll es nicht in erster Linie ernsthaft um Business oder einer Bekehrung durch RAVE Musik gehen, sondern wir wollen aus Liebe zum RAVE mit der Aussage RAVE-STRIKES-BACK spielerisch umgehen. Künstler, die dort vertreten sind, äußern und symbolisieren sich mit den inneren, glückseligen Erfahrungen der Ende der 80er entstandenen, bis heute andauernden Subkultur. Neben der alltäglichen Labelarbeit ist es für uns auch ein Aspekt der Freude und Verbundenheit zum RAVE mit all seinen Sparten.

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, so etwas zu machen? In welchem Moment ist dieser Gedanke entstanden und auf welchem Wege wurde er schließlich konkret?

Als die heilige Bassdrum auf uns traf… Das auch, aber im Ernst, wir, sprich Spatz und Toci kamen am Anfang des Jahres 2004 auf die Idee, ein neues Motiv für die Freude-am-Tanzen T-Shirt Kollektion zu entwerfen. Damals wollten wir mit der Message RAVE IS BACK arbeiten, wobei das IS mit STRIKES ausgetauscht wurde. Dann folgten wir dem „Pfad aus Liebe zum RAVE“. Am Anfang der Initiative verteilten wir T-Shirts in limitierter Kleinstauflage und Stickies unters Volk auf Parties (Grüße an sor-b.ch). Im Laufe der Zeit konnte man feststellen, dass die Leute auf uns zukamen und man vernahm ein lautes OH! und AHH! Vereinzelt hatte man sich gefragt, woher das kommt und was es zu bedeuten hätte. Bald war klar, wir müssen uns erklären… Dann wurde www.rave-strikes-back.de geboren.

Rave Strikes Back läuft ja nun schon ein gutes halbes Jahr. Wie seid ihr mit der bisherigen Resonanz zufrieden?

Kurze Verbesserung, seit Mai 2004 läuft der Motor. Die Resonanz, eigentlich haben wir da nie Wert drauf gelegt. Es gab keinen Eroberungsplan, der vorsah das Ding super bekannt zu machen und alle zu bekehren. Wir wollten unser Statement zur aktuellen Musiklage mit Hilfe einer klaren Aussage treffen. Die Resonanz, blödes Wort übrigens, besser die Aufmerksamkeit kam dann so allmählich (es gab da so kleine Stickies…).

Wie läuft der „Merchandise“ bisher so? Und: In welchem Verhältnis stehen die hier erreichten Zahlen zu denen des FAT-Merchandise?

500% mehr Umsatz, der Qualitätsgedanke wächst, das bedeutet steigende Gewinne und zufriedene Gesichter! Nein im Ernst, RAVE-STRIKES-BACK soll keine Gewinn- und Umsatzmarke werden, es gibt lediglich T-Shirts zu kaufen, der Rest wird verschenkt, Haa!

Welche Argumente habt ihr gegen die Aussage „Rave Strikes Back ist nur ein netter Marketing-Gag für Freude am Tanzen“?

Marketing-Gag? Was soll das, weg mit dem Wort. Nennen wir es „Ein Positionierungsgedanke von Freude am Tanzen“!

Eure Labels Freude am Tanzen und Musik Krause werden nicht zuletzt auch wegen ihres Humors geschätzt. Inwieweit ist Rave Strikes Back ironisch gemeint oder ist es euch bitterer Ernst mit dieser Angelegenheit?

Ein bisschen von beiden, wobei die Ironie gespickt mit einem Hauch Ernsthaftigkeit einen Ritterschlag vollzieht. Humor ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil, in allen Dingen die wir tun. Vielleicht sollte man in der heutigen Zeit nicht immer alles genau hinterfragen und auseinandernehmen. Es geht manchmal einfach nur darum, mit einem „Lächeln“ durchs Leben zu gehen und eine schöne Zeit zu haben…

OK, dann noch zu einem anderen Aspekt: Wie funktioniert die Inhaltsfindung? Geht ihr konkret auf Leute zu und bittet sie um ihre Top 10 Rave Tracks und Erfahrungsberichte oder kommt da viel aus Fremdinitiative?

In der Entstehungsphase der Webseite sind wir explizit via E-Mail-Anfragen auf Künstler zugegangen, die unserer Meinung nach sich mit der Idee identifizieren. Im Laufe der Zeit wurde die Webseite fertiggestellt. Einige Künstler treten mittlerweile an uns heran, wobei die E-Mail-Anfragen unsererseits doch schon noch überwiegen.

Vielen Dank für das Interview.

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