2010
12.01

Damals in einer Thüringer Kleinstadt: Die ganze Geschichte
Anfang der 90er · DJs: ’ne Menge

Cliff RavestoryMein bester Rave… Hm… Seltsam, dieses Wort zu benutzen. Da werden Erinnerungen wach, Erinnerungen an die „gute alte Zeit“. Nicht, das es heutzutage auch schöne und gute Raves gibt (ob RTL jetzt einen neue Daily Soap mit dem Titel „Gute Raves, Schlechte Raves“ plant?), aber ich denke, ich werde meine ersten Raves nicht so schnell vergessen. Einen einzelnen hier aufzuführen wäre unfair, es waren viele schöne dabei. Eher möchte ich davon berichten, wie ich meine ersten Raves in Erinnerung habe. Sicher haben die nicht mehr allzuviel mit den heutigen Raves zu tun. Damals waren es eben nicht 10.000 Leute in irgendeiner riesengroßen Halle, es waren 200-300 Leute in einer kleinen Diskothek in einer verschi**enen Kleinstadt in Thüringen. Zu Beginn waren es ein paar Leute, die wußten, dass der DJ am Freitag ab 0:00 für 2-3 Stunden diese neue Musik spielt (the music was new, black polished chrome…). Eine Musik, die ich schon immer liebte, bevor es sie überhaupt gab. Ich wußte nur, sie ist elektronisch, eher fixiert auf Klänge als auf Texte zum mitsingen und vor allem tanzbar. Die Überaschung war, dass ich nicht der einzige war, dem es so ging. Vielleicht ist das schon einer der Gründe, die uns „Raver“ damals so zusammengeschweißt hat. Aus ein paar Stunden zum Freitag wurde schnell eine ganze Nacht und eine feste Institution. Und die Leute kamen. Sie kamen nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern aus Leipzig, aus Hof, aus Kassel. Sie kamen in eine verschi**ene Kleinstadt in Thüringen. Das war beeindruckend. Genauso beeindruckend war, dass nicht nur jeder für sich diese Musik „zelebrierte“ (extacy, extacy…), sondern alle zusammen. Egal, woher, wie reich/arm oder wie alt. Unvorstellbar heutzutage, leider.

Cliff Ravestory 2In einem Artikel einer Berliner Zeitschrift hat vor ein paar Monaten eine Redakteurin ähnlich von dieser Zeit gesprochen und gefragt, wie wir das so einfach verlieren und es nicht an die nächste Generation weitergeben konnten. Sehr traurig. Es ist heutzutage nicht leicht, jemandem, der diese Zeit nicht miterlebt hat, zu erklären, dass es uns nicht darum ging, wer am geilsten tanzt, wer die coolsten Klamotten anhat oder wer die meisten Drogen eingeworfen/geraucht hat, es ging um das Gefühl, das man sich durch die Musik und die Leute, die einen in dem Moment umgeben, wohlfühlt, das man ein Glücksgefühl empfindet, was einem keine Droge der Welt vorgaukeln kann (I’m bigger and bolder and rougher and tougher…). Wir waren Raver und ein bißchen stolz drauf, Raver zu sein. Keine Marketingabteilung hatte uns als Zielgruppe im Visier und es ging uns gut. Wir haben das Wort Rave ohne Angst in den Mund genommen. In den letzten Jahren habe ich es verleugnet (Ja, ich gestehe! Verzeiht mir!). Ich habe gesagt, ich höre tanzbare, elektronische Musik. Ich habe mich nicht getraut, diese Musik Techno zu nennen. Ich denke, wir alle kennen die Bilder und Gedankenketten, die sich dem gegenüber bei Erwähnung dieser zwei Worte im Kopf bilden.

Cliff RavestoryNein, Schluß damit!
Ab jetzt höre ich wieder (eigentlich immer noch) TECHNO und ich gehe auf RAVEs und ich kann nur sagen „Rave Strikes Back – It’s About F*cking Time!“.

P.S.: In besagter Diskothek befindet sich jetzt ein Fitness-Studio…

1 Kommentar bisher

Kommentar hinzufügen
  1. Habe deine Geschichte gelesen und ich glaube, damals immer mit dabei gewesen zu sein. hi…,hi. kann es sein, das diese “ Kleinstadt “ mit A anfängt und diese besagte diskothek mit L beginnt? Sich in der Nähe des Bahnhofes befand?